Primäre Photodermatitis -
Vergiftung mit Johanneskraut
In unserem heutigen Fall geht es um eine gemischte Herde von insgesamt zehn Pferden im Alter von 6 bis 18 Jahren. Die Tiere leben in einem Offenstall mit viel Bewegungsfreiheit im Alltag. Während der Sommermonate erhalten sie zusätzlich täglichen Weidegang.
Im Verdacht steht eine Entzündung der Haut, ausgelöst durch Pflanzen auf der Weide, deren Giftstoffe mit Sonnenlicht interagieren. Man spricht von Photodermatitis.
Symptome: Woran erkennt man eine Photodermatitis beim Pferd?
- Auftreten meist wenige Tage nach wiederholter Aufnahme in Kombination mit Sonnenlicht
- starke Lichtempfindlichkeit
- Sonnenbrand-ähnliche Läsionen, Krusten, nässende Hautstellen etc.
- insbesondere unpigmentierte Stellen betroffen (Maul, weiße Abzeichen o.ä.)
- Juckreiz, Unruhe, Mattigkeit
Bei der Herde in unserem Fall traten die ersten Symptome etwa 2-4 Tage nach dem Weidewechsel auf. Das Allgemeinbefinden zeigte sich leicht bis mittelgradig gestört und die Ausprägung variierte von Rötungen und Krusten bis hin zu offenen Wunden mit bereits beginnender Hautablösung. Diese Läsionen waren nur im Bereich der unpigmentierten Haut zu finden, pigmentierte Areale hingegen stellten sich symptomlos dar.
Ursachen: Welche Pflanzen kommen für diese Befunde in Frage?
Grundsätzlich sind in diesem Fall zwei typische Weidepflanzen denkbar, welche wir im folgenden für Sie gegenübergestellt haben.
Johanneskraut (Hypericum perforatum)
-
Auslöser primärer Photosensibilisierung
-
Giftstoff: Hypericin
-
Leberwerte: normal
-
Prognose: gut, reversibel (bei frühzeitigem Handeln)
-
Zerreiben der Blüten führt zum Austritt roter Flüssigkeit (Gift)
-
Photodermatitis = Symptom, unterschiedliche Ursachen
-
Blütezeit: Sommer & Herbst
Jakobskreuzkraut (Jacobea vulgaris)
-
Auslöser sekundärer Photosensibilisierung
-
Giftstoffe: Pyrrolizidinalkaloide
-
chronische Leberschädigung durch gestörten Chlorophyll-Abbau
-
Leberwerte: erhöht
-
Hautsymptome oft spät
-
Prognose: vorsichtig
-
Blütezeit: Sommer & Herbst
Im heutigen Fall steht das Johanniskraut (Hypericum perforatum) im Fokus. Eine wild wachsende Pflanze mit charakteristischen gelben Blüten. Sie kommt häufig auf Weideflächen sowie an Wiesenrändern vor und kann daher leicht von Pferden aufgenommen werden. Alle Pflanzenteile sind sowohl frisch als auch im Heu giftig.
Diagnose: wie lässt sich die auslösende Pflanze finden?
-
Anamnese (Futter- und Weidehistorie)
-
klinische Untersuchung
-
Weide-/Heuinspektion nach typischen Pflanzen
-
Differentialdiagnosen beachten (bspw. Leberprobleme)
Therapie
-
sofortige Entfernung aller Pferde von der Weide
-
strikter Schutz vor Sonnenlicht für mehrere Tage
-
entzündungshemmende Therapie
-
lokale schonende Reinigung der Wunden und milde Salbe
-
kontaminationsfreies Futter weiterhin gute Beobachtung aller Pferde der Herde
-
Entfernung Giftpflanzen!
Verlauf
-
innerhalb 48-72 h nach Lichtentzug deutliche Besserung der Symptomatik
-
je nach Schweregrad individuelle Ausheilung Hautläsionen nach 1-3 Wochen, langsame Gewöhnung an Sonnenlicht
-
Weide nach vollständiger Sanierung wieder nutzbar
-
keine bleibenden Schäden
Fazit: Johanneskraut - eine unterschätze Gefahr auf der Weide
Dieser Fall zeigt, wie schnell es durch scheinbar harmlose Pflanzen wie Johanneskraut zu gesundheitlichen Problemen kommen kann. Besonders die phototoxische Wirkung von Hypericin stellt ein erhebliches Risiko für Pferde dar, vor allem bei Weidegang in den Sommermonaten. Eine regelmäßige Kontrolle der Weideflächen sowie fundierte Pflanzenkenntnis sind entscheidend für die Prävention. Frühzeitiges Erkennen und Handeln können schwere Verläufe effektiv verhindern.
Diskussion
Häufig sind besonders junge oder alte Pferde von Hautpilzinfektionen betroffen, da ihr Immunsystem noch nicht, oder nicht mehr ausreichenden Schutz gegen die Sporen bildet.
Es wird ein vermehrtes Auftreten in der Fellwechselzeit beobachtet und auch ein Zusammenhang zu mangelhafter Hygiene von Sattel- und Putzzeug ist beschrieben. Häufiges Waschen mit ungeeigneten Shampoos kann ebenfalls begünstigend wirken, da die Hautbarriere durch das falsche Shampoo beschädigt werden kann.
In jedem Fall ist zu beachten, dass eine Hautpilzinfektion infektiös für andere Pferde sein kann und, weil es sich um eine Zoonose handelt, auch uns Menschen betreffen kann.
Sollten auch an Menschen kreisrunde, rötliche Hautstellen auffallen, ist es ratsam, den Haus- oder Hautarzt auf einen Pilzbefall bei seinem Pferd hinzuweisen.
Dermatophytose beim Pferd ist eine gut behandelbare, oberflächliche Hauterkrankung mit in der Regel sehr guter Prognose. Nach erfolgreicher Therapie und Abheilung bestehen keine Einschränkungen der Rittigkeit oder Nutzung des Pferdes.













