Hufabszess

Der 21-jährige Wallach Bärchen (Name geändert) zeigt plötzlich eine akute Lahmheit vorne links im Schritt, welche auf hartem Boden besonders stark ausgeprägt ist. Die Schmerzreaktion auf das Abdrücken mit der Hufzange ist deutlich: ein Hufabszess liegt vor.

Symptome: wie zeigt sich ein Hufabszess?

  • akute starke Lahmheit
  • verstärkte Wärme eines Hufes
  • starkes Pulsieren der Zehenarterie
  • Schwellung gesamter unterer Gliedmaße möglich
  • Fieber möglich
  • durch punktuellen Druck mit Hufzange starke Schmerzreaktion auslösbar

Bei Bärchen zeigten sich sowohl die hochgradige Lahmheit, als auch die starke Schmerzreaktion auf die Untersuchung mit der Hufzange. Die Vitalparameter waren allerdings alle noch in der Norm und er hatte außerdem kein Fieber.

Ursachen und Erklärung: Was ist ein Hufabszess und wie kann dieser entstehen?

  • eine der häufigsten Ursachen spontaner hochgradiger Lahmheit
  • entsteht durch Eindringen von Bakterien in die Hornkapsel bei fehlendem Abfluss
  • mögliche Eintrittswege der Bakterien: Verletzungen der Sohle durch spitze Gegenstände, Fehler beim Beschlagen oder Nageln der Hufeisen oder Vorerkrankungen wie Hornsäulen, schlechte Hornqualität etc.
  • Infektion der Huflederhaut → Ansammlung von Eiter innerhalb des Hornschuhs
  • Hufkapsel bildet außen festen Abschluss → hoher Druck auf Huflederhaut und es entstehen starke Schmerzen für das Pferd

Diagnose: wie kann ein Hufabszess als Lahmheitsursache festgemacht werden?

  • klinische Untersuchung
  • Lahmheitsuntersuchung
  • Zangenprobe
  • Freilegen vermuteter Abszessstellen durch Tierarzt
  • gegebenenfalls Röntgenuntersuchung

Therapie

  • Eröffnen des Abszesses und Ausschneiden des faulen, weichen Hufhorns an der betroffenen Stelle
  • Lokale Reinigung mit desinfizierender Lösung
  • Anlegen eines mehrschichtigen Hufverbandes
  • Gabe von Antibiotika bei Bedarf
  • Achtung bei Medikamenten: Möglichst keine Entzündungshemmer oder Schmerzmittel, solange der Abszess nicht gefunden oder eröffnet ist. Diese können die Abszessreifung stören und den Heilungsprozess verzögern.
  • Hinweis: Abszesse können tief sitzen, sich ausbreiten und im schlimmsten Fall das Hufbein angreifen
  • Prognose: in der Regel gut mit schneller Heilung (Ausnahme: komplizierte Hufabszesse, z. B. bei Beteiligung des Hufbeins)

Verlauf bei Bärchen

  • Zunächst Boxenruhe mit Hufverband
  • Verbandswechsel nach drei Tagen
  • Rasche Besserung des klinischen Bildes und der Lahmheit
  • Prognose: gut mit schneller Rekonvaleszenz aufgrund des geringen Schweregrads des Hufabszesses

Fazit: Hufabszess- Verursacher starker Lahmheit, aber meist gut behandelbar

Hufabszesse lassen sich bei frühzeitiger Erkennung und gezielter Behandlung in der Regel sehr gut therapieren. Mit korrektem Eröffnen, Reinigung, Verbandversorgung und dem Einsatz korrekter Medikamente kommt es meist zu schneller Besserung der Lahmheit. Eine konsequente Boxenruhe und regelmäßige Kontrolle sichern eine unkomplizierte Heilung und gute Prognose.

Diskussion

Häufig sind besonders junge oder alte Pferde von Hautpilzinfektionen betroffen, da ihr Immunsystem noch nicht, oder nicht mehr ausreichenden Schutz gegen die Sporen bildet.
Es wird ein vermehrtes Auftreten in der Fellwechselzeit beobachtet und auch ein Zusammenhang zu mangelhafter Hygiene von Sattel- und Putzzeug ist beschrieben. Häufiges Waschen mit ungeeigneten Shampoos kann ebenfalls begünstigend wirken, da die Hautbarriere durch das falsche Shampoo beschädigt werden kann.

In jedem Fall ist zu beachten, dass eine Hautpilzinfektion infektiös für andere Pferde sein kann und, weil es sich um eine Zoonose handelt, auch uns Menschen betreffen kann.
Sollten auch an Menschen kreisrunde, rötliche Hautstellen auffallen, ist es ratsam, den Haus- oder Hautarzt auf einen Pilzbefall bei seinem Pferd hinzuweisen.

Dermatophytose beim Pferd ist eine gut behandelbare, oberflächliche Hauterkrankung mit in der Regel sehr guter Prognose. Nach erfolgreicher Therapie und Abheilung bestehen keine Einschränkungen der Rittigkeit oder Nutzung des Pferdes.